1.  


  2. Alles macht weiter
    von Rolf Dieter Brinkmann


    Die Geschichtenerzähler machen weiter, die Autoindustrie macht weiter, die Arbeiter machen weiter, die
    Regierungen machen weiter, die Rock’n’Roll-Sänger machen weiter, die Preise machen weiter, das
    Papier macht weiter, die Tiere und Bäume machen weiter, Tag und Nacht macht weiter, der Mond geht auf,
    die Sonne geht auf, die Augen gehen auf, Türen gehen auf, der Mund geht auf, man spricht, man macht
    Zeichen, Zeichen an den Häuserwänden, Zeichen auf der Straße, Zeichen in den Maschinen, die bewegt
    werden, Bewegungen in den Zimmern, durch eine Wohnung, wenn niemand außer einem selbst da ist, Wind
    weht altes Zeitungspapier über einen leeren grauen Parkplatz, wilde Gebüsche und Gras wachsen in den
    liegengelassenen Trümmergrundstücken, mitten in der Innenstadt, ein Bauzaun ist blau gestrichen, an
    den Bauzaun ist ein Schild genagelt, Plakate ankleben Verboten, die Plakate, Bauzäune und Verbote
    machen weiter, die Fahrstühle machen weiter, die Häuserwände machen weiter, die Innenstadt macht
    weiter, die Vorstädte machen weiter… Auch alle Fragen machen weiter, wie alle Antworten weitermachen.
    Der Raum macht weiter. Ich mache die Augen auf und sehe auf ein weißes Stück Papier.

    — Rolf Dieter Brinkmann, 1975
     


  3. Corona von Paul Celan (1920-1970)

    Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
    Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehen:
    die Zeit kehrt zurück in die Schale.

    Im Spiegel ist Sonntag,
    im Traum wird geschlafen,
    der Mund redet wahr.

    Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
    wir sehen uns an,
    wir sagen uns Dunkles,
    wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
    wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
    wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

    Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße:
    es ist Zeit, daß man weiß!
    Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
    daß der Unrast ein Herz schlägt.
    Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

    Es ist Zeit.

    — (aus: Mohn und Gedächtnis, 1952)
     


  4. Hetti Blackbird, Hetti Blackbird, Hetti Blackbird, that’s the Indian’s name
    Out in South Dakota, he stole a gold Range Rover and he drove it all over the empty plains
    While Apache pilots haunt the River Tigress in the laughing silence of the desert night
    & the price of cocaine on a favourite ball game I read it all baby in the New York Times.

    A pervert from Jersey with a thirty-thirty, found them girls rehearsing in a ballet school
    And when he bust in point his musket he turned lilly white muslin into bright red bloom
    As I read it here on the coffee street pier I can’t help but hear them buildings fall

    And the way they came down, and way they jumped out, there’s no baseball glove in town
    That’s gonna catch them all. So every New Year we come to Times Square and we all howl there when the big ball drops. Don’t trust your junk mail, don’t touch the third rail, and baby don’t’ you dare have the King of pop. Cos the day they found him and brought his body in the things that Doctor did was enough to strike you blind.

    So make my Lilly white lover, oh and oh my brother, never make the cover of the New York Times

    — Simone Felice
     


  5. THIS is thy hour O Soul, thy free flight into the wordless,
    Away from books, away from art, the day erased, the lesson done,
    Thee fully forth emerging, silent, gazing, pondering the themes thou
    lovest best.
    Night, sleep, and the stars.
    — A Clear Midnight, Walt Whitman
     


  6. Nature’s first green is gold,
    Her hardest hue to hold.
    Her early leaf’s a flower;
    But only so an hour.
    Then leaf subsides to leaf.
    So Eden sank to grief,
    So dawn goes down to day.
    Nothing gold can stay.
    — Robert Frost
     

  7. Rotterdam

     

  8. escapekit:

    Jacque and Lise 

    (via escapekit)

     

  9.  

  10. Sorico/ Lago di Como.